Kreativwirtschaft in Halle  

Business-Tipps

Kreative sind anders. Man hört es oft. Aber dennoch unterliegen sie den Gesetzen des Marktes, der in vielen Teilbranchen der Kreativwirtschaft noch stärker umkämpft ist als anderswo. Gerade deshalb müssen sich auch Kreative mit Grundlagen des Marketing und des Rechts auseinandersetzen. Hier einige Tipps und Hinweise.

Social Media & AkquiseAlle einblenden

Was bringen Facebook und Co. für die Kreativwirtschaft?>

Social Media ist in aller Munde. Mit Facebook und Co. können insbesondere kreative Unternehmen die Macht der Mund-zu-Mund-Propaganda nutzen und schnell und direkt ihre Zielgruppen erreichen. Auch wenn dies bei den meisten Netzwerken und Tools kostenlos passieren kann, muss man seinen Online-Auftritt sorgfältig planen und intensiv pflegen. Bei Social Media geht es vor allem um einen offenen, ehrlichen und direkten Dialog. Das birgt auch Risiken – und kostet Zeit und damit Geld. Wenn die Kunden auf Ihrer eigenen Plattform über Sie reden können, dann geben Sie auch einen Teil der Kontrolle über die eigene Kommunikation ab. Um die Kraft der Netzwerke vollständig zu nutzen, sollte man sie strategisch miteinander verknüpfen und gemäß ihrer individuellen Möglichkeiten bespielen. Nur auf diese Weise ist ein Web 2.0 Auftritt wirklich sinnvoll.

Rechtsfreier Raum Internet?>

Auch wenn es einem manchmal so vorkommt, das Internet ist kein rechtsfreier Raum und man bewegt sich dort auch nur bedingt anonym. Entsprechend muss man sich an die Regeln im World Wide Web halten. Und die beinhalten eben auch klare Aussagen zu der Nutzung von Urheberrechten. Bei der Erstellung von Homepages oder Profilen in sozialen Netzwerken werden häufig Elemente verwendet, die von anderen hergestellt werden und die entsprechende Urheberrechte besitzen. Selbst die unbeabsichtigte Urheberrechtsverletzung kann Schadenersatz, Klagen oder sogar eine strafrechtliche Verfolgung nach sich ziehen. Wenn man Grafiken, Bilder, Musik oder Ähnliches verwenden möchte, die durch Dritte erstellt wurden, dann sollte man dies auf keinen Fall ohne die Genehmigung des Urhebers tun.

Kundenakquise mit Facebook – was kann ich und was darf ich?>

Soziale Netzwerke eignen sich vor allem für die Kundenbindung. Man kann schnell und direkt mit seinen Kunden kommunizieren, Fragen beantworten, Probleme beheben oder auf neue Produkte aufmerksam machen. Da potenzielle Kunden bei Facebook und Co. sehr viel über sich preisgeben, kann man mit gezielter Werbung in sozialen Netzwerken auch einzelne Kunden ansprechen. Dabei ist nicht jedes Netzwerk immer gleich geeignet. Neben den Branchenriesen Facebook, LinkedIn oder Xing haben sich eine Vielzahl spezialisierter oder regionaler Communities gebildet. Wenn man eine genau definierte Kundengruppe ansprechen möchte, dann lohnt sich oft ein genauer Blick in diese special Interest Netzwerke. Jedes dieser Netzwerke hat eigene Regeln und AGBs im Umgang mit der Ansprache von Mitgliedern durch Unternehmen. Die direkte Kontaktaufnahme oder auch Kaltakquise ist in der Regel verboten. Auch Aktionen wie Gewinnspiele oder dergleichen werden genau reglementiert. Man sollte sich daher intensiv mit den Möglichkeiten und den Regeln bzw. AGBs bei jedem einzelnen Anbieter auseinandersetzen.

Ideen & SchutzAlle einblenden

Wer leistet Unterstützung bzw. gibt Auskunft über Ideenschutz für Künstler und Designer?>

Die schöpferische Arbeit bzw. daraus entstehende Produkte, Konzepte, Werke etc. können mit Hilfe unterschiedlicher Schutzrechte (z. B. Patentrecht, Geschmacksmusterrecht, Gebrauchsmusterrecht) gesichert werden. Um Nachahmern vorzubeugen, sollte eine solche Sicherung frühzeitig stattfinden. Jedes dieser Rechte bestimmt den Schutz unterschiedlicher Bereiche, so schützt das Geschmacksmuster beispielsweise Modelle und Muster mit  ästhetischem Wert. Für die Beantragung eines solchen Rechtes bedarf es intensiver Recherchearbeit und detaillierter Beschreibungen des zu schützenden Produktes, Konzeptes o. Ä. Die zuständige Institution, welche gewerbliche Schutzrechte erteilt, verwaltet und darüber informiert, ist das Deutsche Patent- und Markenamt. Diesem Amt sind Patentinformationszentren untergeordnet, die sowohl als Anlaufstelle für die Recherche sowie als Annahmestelle für Schutzrechtanmeldungen dienen. In Mitteldeutschland ist die Mipo Mitteldeutsche Informations-, Patent-, Onlineservice GmbH eine solche Anlaufstelle. Im Rahmen einer kostenfreien und regelmäßigen Erstberatung durch einen Patentanwalt, bietet die Mipo Erfindern die Möglichkeit, sich in diesem rechtlichen Dschungel zu orientieren. Für eine fortführende Beratung ist es dann ratsam, sich an einen spezialisierten Anwalt zu wenden.

Was ist der Unterschied zwischen einem Gebrauchs- und einem Geschmacksmuster?>

Durch ein Geschmacksmuster wird die zwei- oder dreidimensionale Erscheinungsform eines Teils oder eines ganzen Erzeugnisses geschützt. Dieses Recht stellt also den Schutz des Designs in Form- und Farbgestaltung dar. Ein Gebrauchsmuster hingegen schützt technische Erfindungen aber auch chemische Stoffe, Nahrungs- und Arzneimittel. 

Wie kann die Haftung bei einer GbR ausgeschlossen werden?>

Rechtsformen geben den rechtlichen Rahmen vor, in dem sich ein Unternehmer bewegen kann. Diese unterscheiden sich u. a. in den Vorschriften zur Gründung und Leitung aber auch in Haftungsfragen. Eine häufig auftretende Rechtsform unter Freiberuflern ist die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (auch BGB-Gesellschaft genannt), welche einen Zusammenschluss von mindestens zwei Gesellschaftern voraussetzt. Der Gesetzgeber stellt bei dieser Rechtsform nur geringe formelle Anforderungen, daher ist die Gründung einer solchen Gesellschaft sehr unkompliziert. Die Grundlage bildet ein Gesellschaftsvertrag, welcher auch im Nachhinein geändert bzw. angepasst werden kann. Für die Gründung einer GbR wird kein Mindestkapital benötigt, da die Gesellschafter für die Verbindlichkeiten des Unternehmens persönlich unbeschränkt haften. Aufgrund dieser unbeschränkten persönlichen Haftung, ist die Gründung einer GbR vor allem bei Vorhaben geeignet, bei denen ein geringes Haftungsrisiko vorliegt.

Warum ist es besser, eine GmbH bzw. eine UGmbH statt einer GbR zu gründen?>

Neben der Gesellschaft bürgerlichen Rechts existieren in Deutschland Rechtsformen, welche vor allem im Bereich der Haftung für Gesellschafter ein geringeres persönliches Risiko aufweisen. Dazu zählt u. a. die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Für Verbindlichkeiten haftet die Gesellschaft als eigenständige Rechtspersönlichkeit mit dem Gesellschaftsvermögen, somit bleibt das Privatvermögen der Gesellschafter unberührt.

Die Grundlage einer Gründung stellt neben dem Gesellschaftsvertrag ein Stammkapital von mindestens 25.000 Euro dar. Dieses Stammkapital setzt sich aus der Stammeinlage eines jeden Gesellschafters zusammen. Diese kann sowohl eine Bar- oder Sacheinlage sein. Die Gründung der GmbH ist vollzogen, wenn sie im Handelsregister eingetragen wurde. Seit 2008 ist die Gründung einer solchen Gesellschaft durch eine Reform des GmbH-Gesetzes vereinfacht worden. Seither ist es möglich, im Rahmen einer Unternehmergesellschaft, ohne großen Kapitaleinsatz die Haftung zu beschränken. Eine Gründung ist mit einer Einlage von einem Euro möglich. Bis ein Stammkapital von 25.000 Euro erreicht wurde, müssen jährlich 25 Prozent vom Gewinn der Rücklagenbildung dienen. Als Gesellschaftsvertrag kann ein Musterprotokoll genutzt werden, welches lediglich von einem Notar auszufüllen ist. Sollte dieses Musterprotokoll verwendet werden, ist die Anzahl der Gesellschafter auf maximal drei beschränkt.

Förderung & VernetzungAlle einblenden

Welche Fördermöglichkeiten gibt es für die Kreativbranche und wo erhalte ich dazu Beratung?>

Fördermöglichkeiten für die Kreativwirtschaft gibt es zahlreiche. Die Form der Förderung hängt zunächst vom Bedarf ab. Möchten Sie Beratungs- oder Coachingleistungen gefördert haben, wollen Sie sich ein Projekt fördern lassen oder geht es Ihnen um eine Messeförderung? Zusätzlich steht die Frage, in welcher Phase Ihrer Unternehmensentwicklung Sie sich befinden. Sind Sie Unternehmensgründer in der Vorgründungsphase oder führen Sie seit Jahren ein erfolgreiches Unternehmen, was expandiert. Drittes Kriterium ist die Zugehörigkeit zu einer Teilbranche der Kreativwirtschaft. Die Filmwirtschaft hat andere Förderinstrumente als beispielsweise der Kunstmarkt. Wir empfehlen Ihnen, sich zunächst bei einer unabhängigen Stelle, zum Beispiel beim Dienstleistungszentrum Wirtschaft und Wissenschaft der Stadt Halle oder bei der Ansprechpartnerin des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes, orientierend beraten zu lassen.

Welche Messen/Projekte für die Kreativbranche werden vom Land Sachsen-Anhalt gefördert und wer sind meine Ansprechpartner für eine Antragstellung am Standort Halle (Saale)?>

Das Land Sachsen-Anhalt fördert nach wie vor die Beteiligung von kleinen und mittleren Unternehmen an Auslandsmessen und bei großen internationalen Messen in Deutschland. Die Höhe der Zuschüsse hängt unter anderem davon ab, ob sich das Unternehmen erstmalig oder wiederholt an einer Messe beteiligt. Weitere Informationen finden Sie bei der Internetpräsenz der Investitionsbank Sachsen-Anhalt unter dem Stichwort Messeförderung/Messekatalog. Darüber hinaus bemüht sich der Kreativwirtschaft Sachsen-Anhalt e. V. gemeinsam mit der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt, Unternehmen der Kreativwirtschaft Möglichkeiten zu geben, sich auf verschiedenen Messen zu präsentieren. Projektförderungen für ausgewählte Bereiche der Kreativwirtschaft werden beispielsweise von der Kunststiftung Sachsen-Anhalt oder der Kulturstiftung des Bundes vergeben.

Welche Möglichkeiten der Weiterbildung, die speziell auf die Bedürfnisse der Kreativbranche abgestimmt sind, gibt es in der Stadt Halle?>

Einen ersten Überblick über die Weiterbildungsangebote für die Kreativwirtschaft finden Sie unter der Rubrik „Aus- und Weiterbildung“. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Universitäten und Hochschulen sowie die Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau und die Handwerkskammer Halle ein breites Themenspektrum abdecken. Unter den bereits vorgestellten Einrichtungen und Institutionen sollen hier exemplarisch zwei spezielle Angebote für die Film- und Medienbranche herausgehoben werden. Zum einen handelt es sich dabei um die European Animation Masterclass EAMprofessional, die von der International Academy of Media and Arts Halle durchgeführt wird. Zielgruppe für die Animationsfilm-Kurse der EAMprofessional sind erfahrene Mitarbeiter, Spitzentalente, Branchenprofis der Animationsindustrie sowie selbstständige Filmemacher und Künstler aus ganz Europa. Zum anderen sei hier noch einmal auf die von der Werkleitz Gesellschaft veranstaltete Professional Media Masterclass (PMMC) hingewiesen. Im Rahmen der PMMC erhalten Filmschaffende aus Mitteldeutschland die Möglichkeit sich in der professionellen Medienpraxis und damit für ihren Markt fit zu machen.